VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Bianca  |  Charlotte  |  Hannah N  |  Hannah S  |  Jannika  |  Jolanthe  |  Jost  |  Jonathan  |  Julia P  |  Julia W

Katharina  |  Laura Fe  |  Lennard  |  Linda  |  Lisa  |  Momo  |  Rebekka  |  Sarah G  |  Sarah N  |  Sina  |  Svenja

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Rundbrief 3

Autor: Jolanthe | Datum: 17 Juli 2017, 11:54 | 0 Kommentare

Zwar extrem verspätet, aber besser spät als nie, folgt jetzt mein dritter Rundbrief für all diejenigen, die er noch auf keinem anderen Weg erreicht hat.

Hallo ihr Lieben,

ja, die Zeit rast und deshalb ist es Zeit für meinen dritten Rundbrief.

Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

Meine (Gast-)Familie:

Mit jedem Tag fühle ich mich bei meiner Gastfamilie wohler und es sind die kleinen Momente, in denen ich es unglaublich schätze, bei ihnen sein zu dürfen. Meine Gasteltern unterstützen mich bei allem, ich kann mit Problemen und Fragen zu ihnen kommen und freue mich immer, wenn meine Gastmutter und ich abends über den Tag plaudern und uns erzählen, was wir alles erlebt haben.
Neben meiner Gastfamilie habe ich mehrere Leute, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen und für mich zu Geschwistern und Mamas und Papas, in jedem Fall aber zu guten Freunden geworden sind, sodass ich sehr dankbar bin, sie an meiner Seite zu haben.
Da wäre zum Beispiel meine Gemeinde, ganz besonders die Jugendlichen und meine “Mamas und Papas“, mit denen ich gemeinsam im Chor singe.
Meine Kollegen im Krankenhaus, die bei Fragen sogleich eine Antwort parat haben und mich beim Planen von Ausflügen jederzeit unterstützen, mir aber auch so einfach das Gefühl geben, willkommen zu sein.
Meine Lehrerkollegen, die immer ein offenes Ohr für mich haben, mich aufmuntern und zu Ausflügen mitnehmen, sodass es mit ihnen nie langweilig wird, weil wir garantiert immer etwas zu lachen haben.
Die Familien meiner Freunde, bei denen ich immer willkommen bin, sei es für einen Nachmittag oder für ein ganzes Wochenende und die mich jederzeit unterstützen.
Dann gibt es da meine Familie am Bromo, meine Familie in Jakarta und an so vielen anderen Orten, an denen überall Bekannte und Freunde meiner Freunde wohnen, die ich kennenlernen durfte und bei denen ich unbedingt vorbeischauen soll und muss, wenn ich in der Nähe bin.
Mein Mentor und seine Frau, zu denen ich auch jederzeit kommen darf, wenn ich Fragen habe oder einfach nur so plaudern möchte und die beide eine sehr große Stütze für mich sind.
Die Familien von Bu Yetti und Pak Krisnadi, bei denen ich leider viel zu selten bin, da ich es zeitlich oft nicht schaffe. Aber wenn ich in der Nähe bin und bei ihnen vorbeischaue, ist es immer wieder wie Zuhause sein, sodass ich diese Besuche sehr genieße.
Und dann sind da natürlich meine Freunde, von denen einige wirklich wie Schwestern und Brüder für mich sind, die ich mal mehr oder weniger regelmäßig sehe, bei denen ich aber weiß, dass ich immer fragen und um Hilfe bitten darf und die einfach immer für mich da sind.

Die GKJW: 

KPPM („Komisi Pembinaan Pemuda dan Mahasiswa“) Talun:

In etwa alle zwei Wochen Freitagabend treffen wir uns. Wir, das sind die pemuda pemudi Talun, die Jugendlichen von Talun, meiner Kirchengemeinde.
Unsere Treffen sind immer sehr entspannt und neben dem gemeinsamen Gottesdienst bleibt auch genügend Zeit, um sich auszutauschen und einfach so miteinander zu quatschen.
Neben den regelmäßigen Treffen gibt es ab und zu auch größere Aktionen, wie zum Beispiel die Fahrt nach Suwaru oder Sitiarjo, wo wir die Jugendlichen anderer GKJW Gemeinden besucht haben, die Weihnachtsfeier für alle Jugendlichen der GKJW in Malang, und PUT (persekutuan udara terbuka = in etwa „Gottesdienst im Grünen“).
Es ist jedes Mal schön, wenn wir uns wieder treffen, da ich einige von ihnen sonst kaum sehe, wir gemeinsam aber viel Spaß haben und es einfach Freude macht, gemeinsam mit Freunden Gottesdienst zu feiern.
Zu den pemuda pemudi gehört man hier in der Regel ab dem Zeitpunkt, zu dem man die SIDI abgeschlossen hat. SIDI, das ist die Konfirmation, die in den Städten mit 17 oder 18 Jahren stattfindet. Spätestens wenn man die SMA, die Senior Highschool, abgeschlossen hat und entweder studiert oder arbeitet, zählt man aber auch zu pemuda pemudi.
Für die jüngeren gibt es remaja das ist dann etwa für die 13-17 Jährigen, die im Gegensatz zu pemuda pemudi sonntags ihren eigenen Gottesdienst haben und nicht bei dem der Erwachsenen teilnehmen.
Neben dem Jugendgottesdienst freitagabends gibt es noch jeden zweiten Sonntag im Monat nachmittags einen Gottesdienst, den die Jugendlichen mitgestalten, der ansonsten aber eher wie ein „normaler“ Gottesdienst wie sonst auch stattfindet und zu dem auch jeder und jede kommen darf.

Meine Einsatzstelle:

SD Kristen YBPK Ngaglik:

In Ngaglik läuft die Arbeit wie gewohnt weiter und während ich immer besser damit klarkomme, zu unterrichten (wobei ich nicht weiß, wie effektiv mein Unterricht wirklich ist), schließe ich die Schüler mehr und mehr ins Herz und sie sind für mich nicht mehr nur Schüler sondern eher wie jüngere Geschwister, denen ich, so gut ich es eben kann, beim Lernen helfen will.
Ansonsten läuft dort eben der Schulalltag mit kleineren Aktionen und Ausflügen, von denen ich aber nicht an dieser Stelle, sondern in meinem Blog (jolanthe.vem-freiwillige.de) berichte.

RSIA Mardi Waloeja Kauman:

Seit Mitte Januar bin ich zwei Tage die Woche (montags und donnerstags) im Krankenhaus „Ibu dan anak Mardi Waloeja Kauman“, welches genauso wie die SD Ngaglik zur GKJW gehört.
Bisher war ich in „Mardi“ hauptsächlich in der Poliklinik, die mit einem Kinderarzt in Deutschland vergleichbar ist.
Losgeht mein Arbeitstag morgens um halb acht. Montags feiern wir gemeinsam eine Andacht und donnerstags wird manchmal gesungen, ansonsten wird gewartet.
Um neun Uhr kommt dann der Arzt bzw. die Ärztin und ist für die Patienten in der Poliklinik bis um 12 Uhr da, sodass die Patienten etwa zwischen 8 und 11:30 Uhr kommen können.
Wenn die Patienten kommen, müssen deren Daten aufgenommen, die Körpertemperatur des Patienten gemessen, die Patienten gewogen und Notizen zum Grund des Besuches inder Karteikarte des Patienten notiert werden. Wenn der Patient bzw. die Patientin zum ersten Mal in die Poliklinik kommt, müssen zudem noch eine neue Patientenkarte erstellt und die persönlichen Daten aufgenommen werden.
Sobald die Konsultation mit dem Arzt/ der Ärztin beendet ist, erhalten wir einen Zettel, auf dem die Medikamente für den Patienten aufgelistet sind. Diese werden direkt im Krankenhaus zusammengestellt und das Medikamentenpulver wird dann in kleinen Rationen entweder in Kapseln gefüllt oder in kleine Päckchen verpackt.
Bevor die Patienten nach Hause können, müssen sie jeweils noch den Erhalt der Medikamente bestätigen und bezahlen.
Sobald keine Patienten mehr da sind und auch die Ärztin/ der Arzt zur nächsten Station weitergegangen ist, muss noch Protokoll über alle Patienten des Tages geführt werden, weshalb deren Daten und die Diagnose im Register der Poliklinik festgehalten werden.
Bei all dem darf ich mithelfen und dabei sein, so gut ich kann und ich merke, wie ich es inzwischen schon besser beherrsche und mir die Arbeit leichter fällt als am Anfang – ich habe Routine bekommen.

Die Arbeit in der Schule und im Krankenhaus ist ganz unterschiedlich und ich könnte nicht sagen, ob mir die eine mehr oder weniger Spaß macht als die andere. In beide Einsatzstellen gehe ich gerne, da ich mich freue, meine Schüler, die Patienten und meine Kollegen zu sehen.

Mitten zwischen zwei Welten – auf der Suche nach einer „Definition“

„Money, money, money“:

Ich habe versucht, die Begriffe „Armt“, „Reichtum“, „Mittelschicht“, „Unterschicht“ und „Oberschicht“ zu definieren, aber ich bin gescheitert. Ich wollte euch gerne einen Eindruck geben, davon, wie der Lebensstandard in Indonesien ist, aber ich kann es nicht. Ich kann es deshalb nicht, weil ich dazu viel zu viel unterschlagen müsste, weil ich Menschen in Gruppen einteilen und sie und ihr Leben bewerten müsste und das kann ich nicht, dazu habe ich nicht das Recht.
Dennoch will ich versuchen, euch im Folgenden mein Bild zu dem Thema Geld und Lebensstandard in Indonesien, oder viel mehr in Malang, zu schildern. Das tue ich deshalb, weil ich selbst, bevor ich nach Malang gekommen bin, total auf dem Holzweg war, was
dieses Thema anbelangt.
In Indonesien macht die Landwirtschaft als Wirtschaftszweig mehr aus als in Deutschland und vor allem gibt es hier sehr viele kleine landwirtschaftliche Betriebe. Oftmals sind es einzelne Familien, die Ackerbau betreiben und das, was sie selbst nicht benötigen verkaufen.
Immer mehr Menschen zieht es vom Land in größere Städte, da sie sich und ihre Familie von der Landwirtschaft wohl nicht mehr ernähren können. Dennoch ist eine Familie, die von der Landwirtschaft lebt, nicht automatisch als arm zu bezeichnen, denn auch das ist Definitionssache. Ich persönlich habe die Häuser auf dem Land teilweise luxuriöser erlebt als Häuser in den Städten (wobei zwischen den verschieden Häusern in den Städten Welten zu liegen scheinen). Die Familie einer meiner Freundinnen lebt von der Landwirtschaft, vom Anbau von Reis und Gemüse und meine Freundin erzählt mir stolz davon, dass sie keinen Reis kaufen müssen, da sie ihren selbst geernteten Reis essen können.
Es lässt sich schwer sagen, ob die Menschen auf dem Land arm oder reich sind, denn das hängt immer von der Perspektive ab und was auf die einen zutrifft, kann bei anderen schon wieder ganz falsch sein.
Bei einem Spaziergang durch die Straßen Malangs, sehe ich Häuser und Menschen, die mir das Gefühl geben, von einem Moment auf den anderen in einer anderen Welt zu sein. Nicht weit von luxuriösen Villen stehen kleine, eher unscheinbare Häuser und direkt daneben Familienhäuser, wie ihr sie in Deutschland kennt. Ich begegne Menschen, die an Straßenkreuzungen Snacks verkaufen, musizieren oder einfach nur so um Geld bitten und zwischen den an der roten Ampel wartenden Autos hindurchlaufen, um so entweder ihren gesamten Lebensunterhalt zu finanzieren oder sich etwas dazu zu verdienen. Ich sehe Menschen, die mit einem teils löchrigen Tuch bekleidet an einem schattigen Platz am Straßenrand liegen und schlafen, Menschen, die von einem Ort zum anderen ziehen und immer wieder an dieselbe Stelle zurückkommen.
Im Kontrast dazu würde ich auf den ersten Blick viele Familien als reich oder reicher bezeichnen, da sie sich leisten können und wollen, was in meinen Augen Luxus ist – aber auch das ist Ansichtssache.
Wenn ich auf meinen Lebensstandard blicke, auf mein Leben in meiner Gastfamilie, auf das, was sich meine Freunde und ich hier ab und zu leisten, auf die vielen Dinge, die wir gemeinsam unternehmen, dann muss ich sagen, dass sich dieser nicht merklich verändert hat. Und dennoch habe ich eine ganz andere Voraussetzung wie viele meiner Freunde hier, denn von dem Mindestlohn in Deutschland kann man sich in Indonesien deutlich mehr leisten, als von dem, was der Ottonormalverbraucher in Indonesien verdient. Aber ja, wenn es um Armut und Reichtum im Zusammenhang mit Geld geht, kommt es nicht nur auf das Einkommen sondern auch auf die Kaufkraft des Geldes an.
Ein Vergleich des Lebensstandards in Deutschland und Indonesien würde deutlich mehr Zeit beanspruchen als die Frage danach wie viel verschiedene Dinge kosten und wie viel jemand verdient und es ist ein zu komplexes Thema, mit dem ich mich zudem kaum auskenne.
Grundsätzlich denke ich, sind wir alle reich und erst durch den Vergleich mit anderen machen wir uns manchmal selber arm, wobei ich die ungleiche Verteilung des Geldes in der Welt auf keinen Fall leugnen oder unterschlagen oder irgendjemandem vorwerfen möchte, dass er sich aufgrund seines Einkommens als arm bezeichne ohne dies wirklich zu sein.
Aber oft sprechen wir von Reichtum und Armut und meinen damit, wie viel Geld jemand verdient, was für ein Auto man fährt und, und, und, dabei kommt es bei diesem Thema nicht nur auf die materiellen Dinge an…

Reich an Kultur, an Traditionen und an Schönheit

Wie oft mir die Frage nach „deutscher Kultur“, nach „deutschem Essen“ und so weiter bisher schon gestellt wurde, weiß ich nicht, es war jedenfalls oft genug. Und fast immer hatte ich keine richtige Antwort darauf, wusste die Antwort selbst nicht. So habe ich das Gefühl, dass wir in Deutschland viele Traditionen verloren haben, weil sie mit der Zeit immer weniger praktiziert wurden. Ich zumindest kann kein Schwäbisch (und das finde ich wirklich schade), obwohl ich doch im Schwobaländle geboren wurde. Meine Freunde aus Java können jedenfalls Javanisch (eine der vielen Sprachen, die in Indonesien neben Indonesisch gesprochen werden)und lernen „ihre Sprache“ ab der ersten Klasse.
Indonesien ist reich an Kultur, an Traditionen, die sich je nach Region unterscheiden und vor allem ist Indonesien reich an Schönheit: reich an wunderschönen Landschaften und an innerer (und äußerer) Schönheit der Menschen. Darauf ist die indonesische Bevölkerung stolz und das kann sie auch wirklich sein.
Reichtum heißt nicht, viel Geld zu besitzen, das teuerste Auto, jedes Jahr ein neues Handy.
Reichtum heißt, das zu schätzen, was ich habe und einen aufrichtigen Grund zu haben, stolz zu sein.
Reich bin ich nicht durch materiellen Besitz sondern durch den Besitz in meinem Herzen.

In diesem Sinne will ich euch einladen, euch mit mir gemeinsam auf die Suche nach einem weiteren Aspekt von Reichtum zu machen und schicke euch herzensreiche Grüße aus Malang, bis zum nächsten Mal,

Eure Jolanthe

«Neuerer Eintrag | Älterer Eintrag»

 

 

Kommentare

 

 

Kommentar Verfassen

 This is the ReCaptcha Plugin for Lifetype